Sorgenkind iTunes 10 und die Ping-Sinnfrage

Welche Erkenntnisse bleiben nach der großen Apple-Keynote am Mittwoch? Herr Jobs erzählte uns, dass drei der iPod-Versionen (Shuffle, Nano, Touch) nun schlanker, cooler und hipper sind als zuvor, Apple TV furchtbar klein und günstig ist, iTunes in Version 10 zum Download bereit steht und mit Ping ein neues soziales Netzwerk an den Start geht.

Wer bereits gut eingedeckt mit Musikabspielgeräten aus dem Hause Apple ist und auch mit Apple TV nichts anfangen kann (in Österreich noch immer nicht nutzbar), der wird vermutlich letztere zwei Dinge ausprobieren und um die ein oder andere Frage nachher nicht drumrum kommen. Es lässt sich ja bekanntlich über Geschmack und somit das neue iTunes-Logo streiten. Natürlich kann man auch darüber philosophieren ob dieser neue kontrastarme Grau-Silber-Look schön ist, aber zumindest bei der Cover-Darstellung in der Albenliste besteht berechtigter Aufklärungsbedarf. Warum sind diese plötzlich so klein? Warum kann ich die Größe nicht mehr selbst, durch Schieben der Spaltenbreite, anpassen? Warum stehen Album-Name, Interpret und Bewertung plötzlich rechts vom Cover? Warum sehe ich bestimmte Cover gar nicht mehr?


Fragen die zumindest teilweise nach einigen Minuten rumgeklicke beantwortet werden. Gut versteckt im Spaltentitel, finde ich die Option, die Cover-Größe anzupassen. Klein, mittel und groß stehen zur Verfügung. In meinem Fall ist groß noch immer um fast das doppelte zu klein, als ich es gerne haben möchte. Möglichkeit dies zu ändern: Fehlanzeige. Zumindest das Verschwinden einiger Cover lässt sich durch die Option „Darstellung / Cover immer anzeigen“ verhindern.

Verwirrt klickt man auf den neuen Punkt „Ping“, der als Untermenüpunkt von „Store“ zu finden ist. Nach Bestätigung einiger Datenschutz-Seelenverkäufer gelange ich zu meinen Profileinstellungen. Mein Vor- und Nachname ist bereits ausgefüllt, genauso wie meine letzten Alben-Einkäufe unterhalb aufgeführt. Gut, dann denken wir mal nicht über Anonymität nach und laden ein Foto hoch. Alles geht langsam, der Ladebalken dreht sich und dreht sich und das tut er nach zwei Stunden und drei Neu-Start-Versuchen immer noch.

Was aber genau mit Ping anfangen? Man kann Künstlern (offizielle Accounts, bisher eine winzige Menge) folgen um Neuigkeiten zu erfahren. Gleiches kann man mit Personen tun, um zu erfahren was diese kaufen und hören, wem sie folgen und was sie kommentieren. Hört sich bekannt an, oder? Noch immer kein Avatar besitzend, folge ich sporadisch Leuten. Ich werde gefragt ob ich diesen Personen Zugriff auf meine E-Mail-Adresse, meinen Namen und mein Foto gewähre. Unter „Neueste Aktivitäten“ finde ich dann beispielsweise folgende Informationen: „Max Mustermann hat einen Musiktitel gekauft“ und „Thomas Thomson gefällt das Album XY“. Der Kauf-Button permanent in greifbarer Nähe. Der Anreiz da mitzutun hält sich in Grenzen, und die Frage kommt auf, ob ich überhaupt möchte, dass ein Haufen virtueller Bekanntschaften mitbekommt, mit welchem Musikeinkauf ich meine Kreditkarte belastet habe. Nach Stunden erscheint endlich mein hochgeladenes Foto und irgendwie bleibt einen das Gefühl nicht erspart, dass Ping noch lange nicht fertig ist.

Apple versucht einen bereits stark besiedelten Markt aufzurollen und hat, zugegebenermaßen, genug Geld, Erfahrung und Reichweite um dies zu schaffen. Man darf also gespannt sein was noch kommen wird. Um Facebook, Twitter, MySpace und last.fm und die damit verbundenen Künstler-Infos, mit einem lediglich via iTunes zugänglichen Social-Network-Dienst, anzurempeln, braucht es jedoch mehr. Im Internet tummeln sich bereits einige Anleitungen wie man zumindest die optischen Änderungen (Logo, Icons) von iTunes wieder rückgängig machen kann. Positives über diese Thematik sucht man meist vergebens.

Bestehende Features, wie die Cover-Darstellung, plötzlich zu entfernen, einen gewöhnungsbedürftigen Look einzuführen und einen halbfertigen Service freizuschalten ist vermutlich, dann doch ein bisschen zu viel für einen Keynote-Mittwoch. Schließlich mögen Menschen geballte Veränderungen nicht so gerne. Schon gar nicht, wenn sie diese nicht verstehen.